
Von Bart Van Buggenhout
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Sie die Augen und stellen sich vor, dass
Sie auf einem fliegenden Teppich sitzen, der Sie
in ein geheimnisvolles Land aus
tausendundeiner Nacht bringt.
In ein Land, das bei Araberliebhabern für seine
vierbeinigen Schätze berühmt ist...
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Hier kommt er, ein schneeweißer Hengst mit weit geblähten Nüstern und wehender Mähne. Er bleibt direkt vor mir stehen, den Schweif hoch aufgerichtet, seine Hufe stampfen den Boden. Er sieht mir geradewegs in die Augen, als ob er sagen wollte: "Sieh mich an. Ich weiß, Du bist hier, um mich zu bewundern!" Das ist zweifellos wahr, ich bin hier auf dem Gestüt "Ajmal" in Kuwait, nur um ihn zu sehen. Dieser Hengst ist in der Araberszene mittlerweile genauso berühmt wie sein Vater vor ihm. Sein Name? Ich meine keinen anderen als Ansata Hejazi (Ansata Halim Shah x Ansata Sudarra)! Eine Vision in weiß, wie er jetzt frei auf der Koppel läuft und über den Sand zu fliegen scheint. Ein unglaublich schönes Pferd! Tänzelnd wölbt er den Hals und ruft seine Stuten. Wer könnte einer solcher Ausstrahlung widerstehen?
Als regelmäßiger Besucher von StraightEgyptians.com verfolgte ich in den letzten drei Jahren viele Diskussionen. Oft wird über die bedeutenden Hengste der Araberzucht debattiert. Menschen aus der ganzen Welt sprechen über die Schauerfolge dieser Pferde, ihre guten und weniger guten Punkte. Aber ich vermisste eine Diskussion über diesen Hengst. Wir haben ein Sprichwort in Belgien: "Uit het oog is uit het heart!" Übersetzt bedeutet es soviel wie "aus den Augen, aus dem Sinn!" Sollte dies auch für Ansata Hejazi gelten?
Als er mir zusammen mit seiner Vollschwester Ansata Nefertiti vorgeführt wurde, bekam ich vor Begeisterung Gänsehaut. Es war ein fantastischer Anblick. Ich kann diesen Hengst nicht im Detail beschreiben, ich kann nur sagen, dass er alles besitzt, was das Wesen eines arabischen Hengstes ausmacht. Die Schausaison in Europa und Nordamerika ist in vollem Gang, und über die kommenden Welt-Champions werden die ersten Vermutungen angestellt, doch hier stand ein wahrer Champion-Hengst vor mir - auf jeder Schau, zu jeder Zeit. Daran habe ich keinen Zweifel.
Im
Jahr 1999 importierte Mohammed Al Marzouk Ansata Hejazi nach Kuwait.
Es war an sich der perfekte Zeitpunkt, um ihn zu kaufen, aber meines
Erachtens barg der Import dennoch ein erhebliches Risiko. Das Timing
stimmte, weil Hejazi kurz davor stand, weltweit bekannt zu werden.
Und auf dem Ansata-Gestüt hatten sie ihr Augenmerk bereits auf
Ansata Iemhotep gerichtet, der in diesem Jahr "Supreme Champion"
des Egytian Events wurde. Abgesehen von dem Geld und der Tatsache,
dass eine erhebliche Menge Gefriersperma von Hejazi auf Ansata eingelagert
wurde, war es sicher wichtig für Don und Judith Forbis einen
weiteren, herausragenden Hengst in den Mittleren Osten zu schicken.
Ansata Halim Shah war im Jahr vor Ansata Hejazis Export verstorben
und es gab eine offensichtliche Lücke zu füllen. Allerdings
war der Kauf des Hengstesmit einer erheblichen Investition verbunden
und Mohammed Al Marzouk brachte ihn zu einem Zeitpunkt nach Kuwait,
als es noch keine Tierklinik gab und die Bauarbeiten an den Ställe
noch nicht beendet waren. Doch vor allem hatte er noch kein wirkliches
Zuchtprogramm, in dem der Hengst eingesetzt werden konnte!
Kuwaitis gehören offensichtlich nicht zu den Menschen, die ein Projekt beginnen und es dann nicht zu Ende bringen. Innerhalb weniger Jahre stampften mehrere Gestüte beeindruckende Stallungen aus dem Wüstenboden. Heute gibt es erstaunlich viele Gestüte im Land. Davon sind das "Ajmal Stud" von Mohammed Al Marzouk, Usamah Zaid Al Kazemis "Ezzain Stud" und Khaled Bin Sokars "Al Safinat Stud" die bedeutendsten. Außer ihnen gibt es weitere Privatzüchter, deren Gestüte noch im Entstehen begriffen sind sowie ein von der Regierung finanziertes Gestüt - das "Arabian Horse Center". Es soll dazu dienen, den Vollblutaraber im eigenen Land wieder heimisch zu machen. Darum wurden ein paar hundert arabische Pferde wurden aus verschiedenen Ländern importiert, um eine neue Basis für die Züchter in Kuwait aufzubauen. Ansata Hejazi ist nicht nur der Hauptbeschäler im Gestüt von Mohammed Al Marzouk, sondern der gefragteste Deckhengst im Land. Arbeit genug für einen jungen Hengst! Doch wie sehen die Ergebnisse aus?
Im allgemeinen scheint Zeit im Mittleren Ostern nur eine unbedeutende Rolle zu spielen. In Hejazis Fall konnte Mohammed Al Marzouk den ersten Fohlenjahrgang allerdings nicht abwarten! Darum importierte er zusammen mit dem Hengst einige seiner Töchter: Ansata Samari (x Ansata Samarra), Ansata Sharara (x Ansata Shalimar) und Ansata Selma (x G Shafaria) - um nur einige zu nennen.
Diese Gruppe junger Stuten hinterlässt beim Betrachter keine Zweifel, dass wir es hier mit einem Hengst zu tun haben, der sein Handwerk versteht. Doch was ich darüber hinaus an Fohlen sah, überstieg meine kühnsten Erwartungen. Ajmal Obeyyah aus der von Dr. Nagel gezüchteten NK Aischa (Salaa El Dine x Amarilla) ist eine Stute mit Weltklasseniveau. Ihr Bruder von diesem Jahr zeigt die gleiche Rafinesse und den gleichen Stil. Rana Al Safinat aus der RN Rayana (Prince Fa Moniet x Ansata Sharifa) und Nefisa Al Safinat aus der Aliikat (von Ruminaja Ali) haben gute Erfolgsaussichten auf Schauen oder als zukünftige Zuchtstuten für das Al Safinat-Gestüt. Auf Talal Al Mahris Gestüt Al Jazira sah ich Mehe Al Jazira aus der RN Marwa (von Ansata Halim Shah), ein charmantes Stutfohlen mit ausgezeichnetem Typ und guten Bewegungen. Aber der "Golden Cross" für Ansata Hejazi scheint die Stute Ansata White Nile zu sein, im Besitz des Arabian Horse Centers. Viele von Ihnen werden Ansata Nile Echo kennen, den bekanntesten Spross dieser Verbindung. Dieser junge Hengst steht im Besitz des Gestüts Al Naif in Qatar und war auch in Europa erfolgreich auf Schauen zu sehen. Daneben gibt es seine schöne Vollschwester Ansata Nile Pearl, die sich in Saudi-Arabien befindet. Doch mein Favorit aus dieser Anpaarung steht im Besitz des Arabian Horse Centers: Wafaa El Kuwait, eine vierjährige Schimmelstute, die alle anderen aussticht - ein wahrer Schatz. Wafaa hat außerdem noch eine jüngere Schwester und einen gerade geborenen Bruder, aber aufgrund ihrer Jugend und möglicherweise wegen ihrer schlechten Kondition, konnte ich mich für die beiden nicht sehr erwärmen. Warten wir es ab, denn sie sind noch jung.
Eine andere Stute im "Center", die offensichtlich gut zu Ansata Hejazi passt, ist Latifah (Hamasa Khazzan x Hamasa Tarifa). Aus dieser Anpaarung stehen dort zwei elegante und wüchsige junge Stuten. Zu guter Letzt möchte ich noch das Stutfohlen Noor Al Jazira (x Ghalia Al Rayyan) erwähnen, das vor kurzem erst von Hamad Al Atiqi erworben wurde. Dieses Stutfohlen ist phantastisch. Es besitzt wirklich alles: Typ, einen schönen Kopf und Hals, Körper, Bewegungen.
Ansata Al Murtajiz (Ansata Hejazi x Ansata Samsara) ist der Hauptbeschäler des "Ezzain Stud". Dieser junge, schöne Hengst beeindruckte mich mit einem kleinen Hengstfohlen, das von ihm stammt; sein Name ist Nooreddin Ezzain und er stammt aus der NK Nada (Adnan x Nashua), einer Stute zum träumen.
Ansata Al Murtajiz scheint außerdem besonders gut zu der Stute Zahra (Nameed KP x Assal) zu passen: Der zweijährige Hengst Suror Ezzain und ein kleines Stutfohlen legen davon Zeugnis ab.
Sie fragen sich wahrscheinlich, wie der nächste Schritt für die Gestüte in Kuwait aussehen wird. Ich fragte mich das auch. Welche Hengste stehen bereit, um mit den Töchtern von Ansata Hejazi angepaart zu werden?
Um diese Position zu besetzten, kaufte Mohammed Al Marzouk zunächst Shahin (Salaa El Dine x Ameera), einstiger Reserve-National-Champion von Schweden. Aber bisher sah ich nur zwei gute Stutfohlen von ihm. Beide stammen aus derselben Mutter: Ansata Meryta (Ansata Halim Shah x JKB Masoudah). Mezna El Kuwait, die ältere der beiden, war für meinen Geschmack besser im Körperbau, während die jüngere, Manar El Kuwait, den schöneren Typ und Kopf besitzt.
Mohammed Al Marzouks endgültige Wahl fiel auf Dr. Nagels Hengst Adnan (Salaa El Dine x Ghazala von Ghazal). Adnan stellt einen ganz anderen Typ als Hejazi dar; er ist bestimmt kein Schaupferd, doch sehr harmonisch im Gebäude und mit mehr Kaliber ausgestattet.
Adnans Nachkommen auf dem Gestüt von Dr. Nagel sind beeindruckend, besonders die Kombination mit der ultra-feinen Nashua brachte überdurchschnittlich gute Fohlen. Vielleicht ist es genau das, was dieser Hengst braucht: sehr feine Stuten. Die Adnan-Fohlen in Kuwait sind jung, einige sind gerade Absetzer und daher waren nicht alle in der besten Kondition. Trotzdem konnte ich ihre schönen Köpfe erkennen, ebenso die gute aufgesetzten Hälse und freien Kehlgänge. Sie müssen einfach die Chance haben, sich weiter zu entwickeln und auszureifen, bevor ein abschließendes Urteil gefällt wird.
Ein
weiterer junger Hengst, der in Kuwait eine Chance bekommen hat, ist
Ansata Osiron (von Ansata Iemhotep). Seine Mutter ist die berühmte
Ansata Selket. Um sein Potenzial zu prüfen, erhielt dieser Hengst
mit den herrlichen großen Augen und fantastischen Bewegungen
in diesem Jahr seine ersten fünf Stuten. Ich kann es kaum erwarten
seinen ersten Fohlenjahrgang zu sehen.
Osirons Gefährte auf dem Ansata-Gestüt war sein "Blutsbruder" Ansata Sirius. Er stammt aus Ansata Selkets Vollschwester Ansata Sekhmet, einer weiteren hochgeschätzten Stute dieser Linie. Das Arabian Horse Center hat mit dem Ankauf von Ansata Sirius eine sehr gute Wahl getroffen. Jetzt sind die schönen Brüder wieder vereint, diesmal im dem Land, wo ihre Ahnen einst von stolzen Beduinen in die Schlacht geritten wurden. Ansata Sirius ist den meisten von Ihnen vermutlich unbekannt, aber ich glaube, dass dieser Hengst ein prägender Vererber sein wird. Als Junghengst erlitt er eine schwerwiegende Verletzung am Fesselgelenk und musste über mehrere Monate in einer Klinik behandelt werden, doch er überstand alle Operationen und erholte sich völlig. Er besitzt einen wundervollen Kopf, einen schön geformten und stolz getragenen Hals von guter Länge, eine erstklassige Oberlinie und, unter Berücksichtigung des vorher Gesagten, alle Anlagen eines erstklassigen Athleten. Fast erübrigt es sich darauf hinzuweisen, aber Ansata Sirius besitzt darüber hinaus einen bestrickenden Charme. Der einzige negative Punkt ist, dass ich mindestens ein Jahr warten muss, um seine ersten Fohlen zu sehen. Und ein Jahr vergeht verdammt langsam...
Angesichts von Ansata Hejazis außergewöhnlicher Vererberleistung, wird es für jeden anderen Hengst schwierig sein, in seine Fußstapfen zu treten. Wer weiß, manchmal muss ein Züchter scheinbar einen Schritt rückwärts gehen, um einen Fortschritt zu erzielen. Ich bin mir sicher, mit ihrem Ehrgeiz, ihrem Wissen und ihrer Leidenschaft, werden die Züchter in Kuwait die passende Kombination finden. Und so wie es aussieht, wird die Lösung nicht lange auf sich warten lassen.
Die Reise nach Kuwait war für mich eine wunderbare Erfahrung. Besuchen Sie dieses Land selbst einmal. Sie werden von der arabischen Gastfreundschaft überwältigt sein und darüber hinaus bekommen Sie einige der schönsten Vollblutaraber der Welt zu sehen. Für die Einreise benötigen Sie ein Visum, doch bei den Formalitäten wird Ihnen jeder Züchter in Kuwait gerne behilflich sein. Genießen Sie Ihren Aufenthalt!
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