Von Willi Poth
Classic Egyptian Arabians


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Es war Liebe auf den ersten Blick. Der Hengst den wir suchten,
um in der Zucht weiterzukommen, sollte zwei Kriterien erfüllen:
Er musste ein Pedigree ohne "wenn und aber" besitzen und er sollte
von außergewöhnlicher Qualität sein - insbesondere herausragend im Typ.
Denn faszinierender arabischer Typ war letztlich der Grund,
weshalb wir arabische Pferde züchteten.


Photo: Carola Toischel
Alidaar (Shaikh Al Badi x Bint Magidaa)
zusammen mit Willi Poth in Qatar


Auf der Suche nach einem neuen Hengst
Nach Ibn Galal (Magdi), Mehanna, Mohssen, die wir importiert hatten und die in unserem Zuchtprogramm zum Einsatz kamen, sollte es ein Hengst sein, der die vorhandene Stutenbasis verbessern und neue Maßstäbe setzen konnte. Es war und ist uns bewusst, dass unsere Zucht nur bestehen kann, wenn es uns gelingt, Pferde zu züchten, die internationalem Standard entsprechen und - ungeachtet ihrer Blutführung - wettbewerbsfähig sind.
Durch meine Tätigkeit als Richter hatte ich die Chance, die Entwicklung innerhalb der Zucht weltweit verfolgen zu können. Zahlreiche Reisen führten uns in die letzten Winkel dieser Erde, vorausgesetzt es gab dort arabische Pferde. Stets war es das Ziel jeder Reise das Außergewöhnliche zu finden!

Nach vielen Importen aus Ägypten und unseren Besuchen der wohl bekanntesten Ägypter-Gestüte in den USA (Gleannloch-Farm, Ansata und Bentwood-Farm) in den achtziger Jahren, hatte sich ein Idealbild entwickelt. Der Hengst Ansata Shah Zaman kam diesem Ideal in Typ, Modell und Abstammung am nächsten: ein schlichtweg klassischer Hengst. Er war das Produkt einer Anpaarung von Morafic mit seiner Vollschwester, der Nazeer-Tochter Ansata Bint Mabrouka.
Ein Hengst, der uns mit seiner Ausstrahlung beeindruckte, ein Pferd mit Größe und Rahmen, das außerdem besten arabischen Typ repräsentierte. Ein gelungenes Inzuchtprodukt.
Doch wir wollten unbedingt vermeiden, mit zu starker Inzucht gewisse Schwächen in der Zucht zu festigen, wie sie bereits erfahrene Züchter hinnehmen mussten; ein Weg, der unserer Meinung nach unweigerlich in einer Sackgasse endet.
Um solche Risiken weitgehend auszuschließen, legen wir bei einem Hengst besonderen Wert auf eine erstklassige Abstammung: Gekonnte, nicht zu enge Linienzucht ja, Inzucht nein.


Photo: Nicole Sachs

Alidaar kurz vor seinem zwanzigsten Geburtstag

Ein Tag in Texas
Bei einem Stop in Texas auf dem Gestüt von David Gardner fand ich dieses Ideal: Alidaar! Hier stand er plötzlich vor mir, arrogant im Auftreten, ein Aristokrat. Seine Abstammung entsprach genau meiner Vorstellung: der Vater Shaikh Al Badi (Morafic x Bint Maisa El Saghira), die Mutter Bint Magidaa (Khofo x Magidaa). Alidaar führt einige der besten Nazeer-Nachkommen im Pedigree, z.B. die herrliche Bint Maisa El Saghira. Mütterlicherseits geht er auf die seltene Linie der El Mahroussa (Obeyan Om Grees) zurück.
Ich war davon überzeugt, dass sein Potenzial als Vererber unsere Zucht in eine neue Dimension führen würde.

Doch die Begegnung mit Alidaar brachte mich in gewaltige Nöte: Wie sollte ich meine Frau davon überzeugen, unseren Traumhengst gefunden zu haben? Und wie konnte der Kauf realisiert werden? Es waren aufregende Tage, ich musste gewisse Überzeugungsarbeit in verschiedene Richtungen leisten, bevor Entscheidungen fielen. Doch bald war alles geregelt und Alidaar überquerte den großen Teich und kam zu uns nach Frankreich.

Photo: Rik van Lent
Alidaar und Willi Poth in Frankreich

Zukunftspläne
Wir träumten und machten eine Zeitreise: Wir nahmen Anpaarungen vor, die noch nicht möglich waren. Unser Hengst Lohim (Ansata Halim Shah x Lohelia von Morafic) erschien uns als die züchterische Ergänzung zu Alidaar. Doch Lohims Fohlen waren noch nicht alt genug oder gar nicht geboren, so dauerte es einige Jahre, bis unsere züchterischen Fantasien Realität wurden. Diese Kombination brachte uns Fohlen mit herrlichem Typ, guter Oberlinie sowie schönen, dunklen und großne, runden Augen. Diese Hengstkombination in Generationenfolge passte einfach zusammen.

Photo: Nicole Sachs
Alidaar

Erst Europa, dann Qatar
Doch zunächst ging es darum, Alidaar in Europa bekannt zu machen.
Auf seiner ersten Schau in Menton/Frankreich konnte ich ihn selbst präsentieren und er erhielt Noten, die bis zu diesem Zeitpunkt kaum ein anderes Pferd jemals erhalten hatte. Alidaar erwies sich als überragend in Typ und Gebäude und bekam wohlverdiente Bewertungen für seine Bewegung. Einfach gesagt - er war unschlagbar. Ich schwebte auf Wolken und konnte diesen Flug mit weiteren Schauerfolgen fortsetzen.

Alidaars Schwachpunkt waren seine Bewegungen. An fünf Tagen der Woche zeigte er unbefriedigende Gänge, an ein bis zwei Tagen jedoch schwebte er über die Weide. Ich hatte das Glück, dass er auch auf verschiedenen Schauen ausreichende Gänge zeigte. Unter dem Sattel bewegte er sich allerdings stets ausgeglichen und harmonisch, wobei er den Westernstil bevorzugte.
Natürlich machte ich mir Sorgen und überlegte, wie er sich gerade in diesem Punkt vererben würde. Um es kurz zu machen: Alle seine Nachkommen, die in unserem Gestüt geboren wurden, hatten sehr gute bis überragende Bewegungen.

Doch wie so oft, gilt der Prophet im eigenen Land wenig.
Als Alidaar nach Europa kam, hatte er sofort seine Verehrer. Im gleichen Maße wurde er von anderen kritisiert. Es liegt anscheinend im Wesen vieler Menschen, nach Fehlern zu suchen, statt die positiven Merkmale zu würdigen.

Photo: Gigi Grasso
Al Aangha Al Rayyan (Alidaar x Ansata Majesta),
die internationale Championesse von Qatar 2004


Wir ließen uns nicht beirren und glaubten an Alidaar. Heute, nachdem er zunächst im Gestüt des Emirs von Qatar eingesetzt wurde und nun wieder unter den schützenden Augen von Sheikh Abdul Aziz Al Thani (Gestüt Al Rayyan) steht, haben sich sowohl seine züchterische Qualität als auch unsere Philosophie bestätigt. Die Championesse der Internationalen Schau 2004 in Qatar war die Alidaar-Tochter Al Aangha Al Rayyan (x Ansata Majesta von Ansata Halim Shah). Die Nachkommen von Ansata Ibn Halima eigneten sich durch ihr sanftes Wesen in besonderer Weise, das energische Blut von Morafic aufzufangen. Diese Feststellung bestätigt sich auch bei Lohim. Er stammt aus der Morafic-Tochter Lohelia und bei ihm brachte Ansata Halim Shah wiederum Ruhe und Ausgeglichenheit ein.

Photo: Gigi Grasso
Classic Rayan (Alidaar x AK Raiyeh)
steht zur Zeit in Spanien

Alidaar als Vererber
Alidaar bestätigt durch seine Nachkommen, dass er seinem Vollbruder Ruminaja Ali in jeder Weise ebenbürtig ist, wobei er für mich der Edlere von Beiden ist.
Wir schätzen uns glücklich, drei von Alidaars Nachkommen zu besitzen. An erster Stelle möchte ich Classic Rashma (a.d. AK Raiyeh) nennen, die bei ihrem Schaudebüt weltweit für Furore sorgte. Eine Stute mit exzellenten Nachkommen ist Classic Madaraa (Alidaar x UP Bint Marah). Sie lieferte in Verbindung mit Lohim ausgezeichnete Nachzucht, u.a. Classic Lohelia, Championats-Siegerin beim Event 2002 in Italien. Sie ist derzeit an das Royal Jaafar-Gestüt in Jordanien verpachtet. Herausragend als Hengst ist Classic Rayan (x AK Raiyeh), inzwischen acht Jahre alt und für die Saison 2004 nach Spanien verpachtet.

Photo: Carola Toischel
Gazal Sakr (Shaheen x Alidarra by Alidaar),
Omar Sakrs ägyptischer National-Champion

Alidaar-Nachkommen sind aufgrund ihrer Qualität begehrt und weltweit zu finden, im Schauring erfolgreich und in der Zucht ihr Potenzial beweisend. Um nur einige zu nennen: Classic Farida steht in Kuwait, Classic Medaba (x UP Bint Marah) in Italien, Classic Ameer Ali in Italien (2003 Champion beim Egyptian Event), Classic Shadwan (x Shagiah) und Miriyah Alida (x Monisa Halima) in Deutschland sowie ihr Vollbruder Classic Arif in Saudi Arabien, Classic Aldaraa (x Shagiah) in Ägypten, Classic Mansour in Italien. Zwei Fuchshengste stehen in Deutschland, die auf der Verbandshengstschau mit Schleifen belohnt wurden: Pasha Yasin (x UP Sheika Bint Pasha) erhielt eine Goldene, Nabeel (x Myrna) eine Silberne. Die Stute Classic Dahra (x AK Dareeba) in Deutschland ist ein Synonym für arabischen Adel schlechthin. Nicht weniger edel ist Nabilah-D "P" in Belgien. In Ägypten brachte die Alidaar-Tochter Alidarra für ihren Besitzer Omar Sakr einen Champion nach dem anderen und die Mutter des Egyptian Event Champions 2003 in den USA, The Orient Express, ist eine Alidaar-Tochter. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Photo: Nicole Sachs
Der zweijährige Zeer Al Rayyan (Alidaar x RN Farida)
gilt in Qatar als potenzieller Nachfolger seines Vaters

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Seine 20 Jahre sieht man Alidaar nicht an. Er besticht nach wie vor durch seine trockene Erscheinung, seinen Adel und befindet sich in bester Kondition. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ich habe Hengste erlebt, deren Handling einfacher war. Alidaar beantwortet Härte und den Gebrauch der Peitsche mit Unmut, ich denke, das Training in den USA hat ihn geprägt. Ein Hengst wie er vergisst nicht. Begegnet man ihm, wie ich es getan habe, mit Respekt und behandelt ihn als Freund, gibt er in jeder Sekunde ein Gefühl zurück, das unvergesslich bleibt.

Photo: Gigi Grasso
Alidaar in der Wüste von Qatar, fotografiert vor wenigen Wochen

Ein trister Moment war für uns der Augenblick, in dem Alidaar unser Gestüt verließ. Wir wussten, dass es nicht leicht sein würde, erneut einen Hengst dieses Kalibers zu finden.
Trost und immer wieder eine Befriedigung für uns ist es, ihn in seiner wohl letzten Heimat Qatar zu sehen. Dort lebt er auf einem Gestüt und wird von Menschen betreut, die ihm die Wertschätzung zukommen lassen, die ihm zusteht.
Alidaar - vielleicht einer der letzten großen Hengste, der seine strahlende Persönlichkeit mit einer ausgezeichneten Abstammung verbindet.
Mein verehrter Freund, alles Gute zum Geburtstag.

Photo: Carola Toischel
Alidaar mit seinem langjährigen Pfleger Yussef




This feature was brought to you in June 2004 by
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